Start Up Connect – Gründerstimmung in Moosburg

Am Dienstagabend fand der „Start Up Connect“ zum Auftakt des Wirtschaftsnetzwerks Moosburg statt. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für einen Abend voller Impulse, lebhafter Diskussionen und Gründerstimmung.

Lisa Hölzl und Fabian Biebl vom Ortsverband führten durch die Veranstaltung, die zwei unterschiedliche Perspektiven zusammenbrachte: Peter Lutsch, Gründer der Plattform Sidepreneur, sprach über nebenberufliches Gründen. Unser Bürgermeisterkandidat Dr. Michael Stanglmaier stellte seine Strategie für Moosburg als Gründerstandort vor. Was folgte, war ein reger Austauch, der so wertvoll war, dass sich gleich eine Initiative zur Fortführung gefunden hat.

„Als jemand, der selbst gründen möchte, denkt man oft: Ich bin da alleine, die ganze Bürokratie ist gegen mich, ich muss alles andere hinschmeißen“, beschrieb Fabian Biebl seine Motivation für den Abend. „Und das muss gar nicht sein. Genau das wollen wir heute zeigen.“

Dr. Michael Stanglmaier, Lisa Hölzl, Peter Lutsch (v.l.)

Peter Lutsch über nebenberufliches Gründen (Sidepreneur)

Peter Lutsch ist seit 2019 selbst Moosburger und kennt die Stadt aus der Perspektive eines Gründers. Seine zentrale Botschaft: Die größte Hürde ist der erste Schritt – und genau hier kann Moosburg ansetzen.

Mit Zahlen aus dem KfW-Gründungsmonitor zeigte er: Während Vollzeitgründungen in Deutschland rückläufig sind, nehmen nebenberufliche Gründungen stetig zu. Diese Art des Gründens ist sicherer, inklusiver und näher am Alltag der Menschen. Besonders bemerkenswert: Der Frauenanteil liegt bei nebenberuflichen Gründungen bei 42 Prozent – deutlich höher als bei Vollzeitgründungen, weil die Einstiegshürde niedriger ist.

Quelle: Peter Lutsch

„Moosburg muss nicht kopieren, sondern könnte eine eigene Nische besetzen“, so Lutsch. Als Schnittstelle zwischen den Ökosystemen München und Landshut sieht er Potenzial für eigenfinanzierte Gründungen, sogenanntes „Bootstrapping“, das in der klassischen Gründungsförderung kaum Beachtung findet. Über 43 Prozent aller Unternehmen werden so gegründet, doch in der Berichterstattung tauchen fast nur die großen, fremdfinanzierten Startups auf.

Seine konkreten Wünsche an die Stadt: regelmäßige Gründertreffen für Austausch und Vernetzung, eine gründungsfreundliche Verwaltung mit klaren Prozessen und verbindlichen Zusagen, sowie die kreative Nutzung von Leerständen. „Wenn die Wege kurz sind, werden gute Ideen schneller Realität“, fasste er zusammen. Sein Appell: Lieber kleine Schritte schnell umsetzen als große Versprechen machen.

Dr. Michael Stanglmaier: Strategie für den Gründerstandort

Im Anschluss präsentierte Dr. Michael Stanglmaier seinen Plan für Moosburg. Er selbst kennt sowohl Freud und Leid der Startup-Welt: sein eigenes Startup eines Biotechunternehmens ist nach zwei Jahren an fehlender Finanzierung gescheitert. Die von ihm mitbegründete Bürgerenergiegenossenschaft Freising ist dafür bis heute erolfgreich und rentabel.

Quelle: Dr. Michael Stanglmaier

Zentral in seiner Strategie ist die Stabsstelle zu Wirtschaftsförderung im Rathaus. Diesen Antrag hat Michael Stanglmaier im Dezember erfolgreich durch den Stadtrat gebracht. Diese neue Stelle soll Ansprechpartner für bestehende Betriebe und Startups sein, neue Unternehmen für den Standort Moosburg anwerben und dazu auch engen Kontakt zu Eigentürmern von Gewerbeflächen pflegen. Außerdem kann sie bei der Fördermitelakquise helfen.

Dr. Michael Stanglmaier stellte seine Initiativen vor:

Gründer-Infrastruktur und Flächenmanagement: Leerstände für Startups nutzen, Pop-up-Büroflächen ermöglichen, kleine Mietzuschüsse als Anreiz. Als konkrete Entwicklungsflächen nannte er das Areal der alten Polizei, das Sondergebiet am Bahnhof sowie das Sondergebiet in den Amperauen und langfristig das Sanierungsgebiet zwischen Bahnhof und Poststraße.

Regionales Innovationsnetzwerk: Kooperationen mit Hochschulen in Freising, Landshut und München aufbauen. Ein anwesender Hochschulvertreter unterstrich das Interesse der akademischen Seite an solchen Verbindungen.

Jährliche Startup-Konferenz: Unter dem Arbeitstitel „ISAR-innovativ“ ab nächstem Jahr geplant.

Städtisches Förderprogramm: 15.000 Euro sind bereits im Haushalt eingeplant, weitere 15.000 Euro für die Arbeit der Stelle der Wirtschaftsförderung.

Nachwuchsförderung: Schülerfirmen, Workshops an Schulen und ein Ideenwettbewerb „Junge Ideen für Moosburg“.

„Moosburg mit über 20.000 Einwohnern kann das locker schaffen“, betonte er und verwies auf Parsberg, das mit nur 8.000 Einwohnern ein digitales Gründerzentrum aufgebaut hat. Seine Vision: Eine Business Unit direkt beim Bürgermeister, die Wirtschaftsförderung, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing bündelt. Kurze Wege, schnelle Entscheidungen.

Die Diskussion: Kompetenz am Tisch

Was uns an diesem Abend besonders beeindruckt hat: die Vielfalt und Kompetenz der 16 Teilnehmenden. Am Tisch saßen Hochschulvertreter, erfahrene Unternehmensberater, Software-Ingenieure, frische Gründer:innen und langjährig Selbstständige aus den unterschiedlichsten Branchen.

Das Thema Flächenmangel wurde schnell als reales Problem greifbar. Eine Teilnehmerin, die dieses Jahr in Moosburg gegründet hat, berichtete von ihrer erfolglosen Raumsuche. Reinhard Blum schilderte, wie sein Sohn mit einem wachsenden Software-Startup nach Freising ausweichen musste, weil in Moosburg keine passenden Räume zu finden waren. Barbara Bucksch bestätigte: Wer auf den üblichen Portalen nach kleinen, bezahlbaren Büro- oder Praxisräumen in Moosburg sucht, findet kaum Angebote.

„So kann es nicht sein. Wir verlieren da Unternehmen, die wir selbst hier brauchen“, stellte Dr. Michael Stanglmaier klar. Er verwies darauf, dass Leerstandsmanagement bisher nicht auf der Agenda der Stadt stand – das soll sich mit dem Wirtschaftsförderer ändern.

Aus der Runde kamen wertvolle Impulse: Ein erfahrener Unternehmensberater mahnte, Moosburg müsse die Situation „komplett neu denken“ statt sich nur als klassisches Mittelzentrum zu verstehen. Ein Ingenieur wünschte sich Zugang zu lokalen Produktionskapazitäten. Ein Teilnehmer, der schon mehrfach in Moosburg gegründet hat, lobte die schnelle Gewerbeanmeldung und betonte die Bedeutung einer klaren Nischen-Positionierung.

Barbara Bucksch brachte es auf den Punkt: „Ich bin total positiv überrascht, was für eine Kompetenz am Dienstagabend hier in Moosburg zusammenkommt.“

Konkrete Ergebnisse: Stammtisch und weitere Formate

Der Abend mündete in eine konkrete Initiative:

Startup- und Unternehmerstammtisch Moosburg: Noch während der Diskussion wurde die Gründung eines monatlichen Stammtischs beschlossen – bewusst unabhängig von Partei und Stadt. Die Organisation übernimmt vorerst Peter Lutsch, unterstützt von weiteren Teilnehmenden. Der Stammtisch soll Gründer:innen, Selbstständige und Unternehmer:innen regelmäßig zusammenbringen, um Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Das nächste Treffen ist für den 13.01.2026 um 19:00 Uhr im Kellerraum im Drei Tannen (Thalbacher Straße 53, 85368 Moosburg) angesetzt.

weitere Formate: Die Runde sprach sich außerdem dafür aus weitere Formate, zB. Diskussionsplattformen oder Veranstaltungen zur Vernetzung, gemeinsam zu entwickeln und durchzuführen.

Stimmen zum Abschluss

„Ich gehe sehr glücklich nach Hause heute“, fasste Reinhard Blum die Stimmung zusammen.

Dr. Michael Stanglmaier zeigte sich begeistert: „Das stimmt mich positiv. Wir haben einfach viele Leute, die Kompetenz haben, die was machen wollen – und denen muss man den Raum schaffen. Für mich war es heute der Startpunkt eines Prozesses.“

Peter Lutsch ergänzte: „Meine Erfahrung ist, dass wenn man viele Leute, die open-minded sind und was bewegen wollen, an einen Tisch bringt, auch etwas Gutes entstehen kann. Dass das heute Abend schon so passiert ist, hat mich sehr gefreut.“

Fabian Biebl schloss: „Vor einem Jahr hatte ich die ersten Ideen – irgendwo hingehen, was für Moosburg machen, etwas Helfendes auf die Beine stellen. Diese Aufbruchstimmung heute Abend zeigt mir: Es lohnt sich. Ich freue mich, das weiter mit organisieren zu können.“

Lisa Hölzl fügte hinzu: „Mir ist diese Selbstständigkeit in die Wiege gelegt worden. Das heißt aber nicht, dass wenn deine Eltern das immer gemacht haben, du das dann auch gerne weiterführen willst. Bei mir fließt schon „Selbstständigkeitsblut“ in den Venen. Ich brenne dafür und freue mich, dass ich das in diesem Rahmen für Moosburg mit weiter antreiben kann.“


Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für den offenen und konstruktiven Austausch und bei den Organisatoren für die toll vorbereiteten Abend. Der nächste Gelegenheit für Unternehmen mit Michael Stanglmaier in Kontakt zu kommen ist übrigens der „Unternehmerdialog: Dr. Michael Stanglmaier hört zu“ am 20. Januar 2025 im Nebenraum des Drei Tannen.