Beim E-Mobilitäts-Frühschoppen der Grünen Moosburg am 25.01.2026 teilten Stadtratskandidat Reinhard Blum und Bürgermeisterkandidat Dr. Michael Stanglmaier ihre Erfahrungen – und räumten mit einigen Vorurteilen auf.
„Mobilität ist ein Grundbedürfnis.“, eröffnete Dr. Michael Stanglmaier, Mobilitätsreferent der Stadt. „Sie bedeutet soziale und berufliche Teilhabe. Aber sie verursacht auch Lärm, Abgase, CO₂ und Verkehrsgefährdung.“ Die Frage sei, wie wir Mobilität bereitstellen können, ohne die schädlichen Auswirkungen von heute. Stanglmaiers Antwort: sichere Infrastruktur für Fuß- und Radverkehr, Ausbau des ÖPNV – „und was vom Auto übrig bleibt, muss E-Mobilität sein.“



Seit 13 Jahren fährt Reinhard Blum ausschließlich elektrisch. Als Ingenieur und Unternehmensberater war er früher oft in Deutschland, der Schweiz und Italien unterwegs – „und ich bin überall problemlos hingekommen“, berichtet er. Die anfängliche Skepsis seiner Kollegen hat sich längst gelegt. Heute sieht er die Elektromobilität als bewährte Alltagslösung.
Mit dabei war auch Stephan Griebel, Landratskandidat der Grünen, der die Diskussion um die Perspektive auf Landkreisebene bereicherte – denn für den Ausbau der Ladeinfrastruktur und die Umstellung des ÖPNV auf E-Mobilität braucht es auch starke Partner im Landratsamt.
Die wichtigsten Fakten
Umwelt und Effizienz: Über den gesamten Lebenszyklus stoßen Elektrofahrzeuge 73% weniger CO₂ aus als Verbrenner – selbst beim heutigen Strommix. Die Energieeffizienz ist deutlich höher, auch dank Rekuperation beim Bremsen.
Batterien halten länger als gedacht: Tesla-Taxis mit 13 Jahren Laufzeit und 200.000 km haben noch 90% ihrer Akkukapazität. Selbst bei intensiver Schnellladung liegt die Kapazität nach 10 Jahren bei 80%. Die anfänglichen Sorgen um Batterielebensdauer haben sich nicht bestätigt.
Pannenstatistik überzeugt: E-Autos haben nur ein Drittel der Ausfallrate von Verbrennern. Blums persönliche Bilanz nach 13 Jahren: ein Marderbiss am Blinkerkabel – das war’s.
Reichweite kein Problem: Moderne Mittelklasse-Fahrzeuge schaffen über 600 km. Interessant: Die nordischen Länder führen bei E-Auto-Neuzulassungen – obwohl dort angeblich „im Winter niemand weit kommt“.
Moosburg auf dem Weg – aber mit Luft nach oben
Stanglmaier ordnete die Situation vor Ort ein: Moosburg hat aktuell fünf Normal-Ladesäulen (zwei am Viehmarktplatz, drei weitere in Planung am Hallenbad, Buchenlandstraße und Mühlbachbogen) sowie eine Schnellladesäule – gemeinsam mit der Bürgerenergiegenossenschaft Freisinger Land.



Was fehlt? Ein systematischer Plan. „Wir können nicht nur darauf warten, dass sich Bürger melden“, so Stanglmaier. „Wir brauchen eine proaktive Planung: Wo braucht Moosburg Ladeinfrastruktur?“ Sein Appell: Die Kommune muss Flächen bereitstellen, über Bauleitplanung E-Mobilität fördern und Sharing-Stationen in Neubaugebieten etablieren. Leider scheiterten bereits Vorschläge für E-Auto-Sharing im Rockermeier-Areal an der fehlenden Mehrheit im Stadtrat.
Ab 2029, wenn die nächste Flex-Periode beginnt, hofft Stanglmaier auf den Einsatz von E-Fahrzeugen im Moosburger Flexbus-System.
Was sich konkret verbessern muss
- Parkhaus am Bahnhof: Hier wurde über Lademöglichkeiten für Pendler diskutiert – allerdings mit Bedenken wegen langer Standzeiten, die Ladesäulen blockieren könnten
- Transparente Preise: Der „Wildwuchs“ bei Ladestrompreisen muss ein Ende haben – ab 2027 ist Kartenzahlung EU-weit Pflicht
- Intelligente Blockiergebühren: Anwohner sollten nicht nachts ihr Auto umstecken müssen
- Gewerbegebiet: Ladesäulen als Service für Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten
- Systematische Planung: Nicht reaktiv auf Anfragen warten, sondern aktiv Standorte identifizieren
Die Bürgerenergiegenossenschaft im Landkreis zeigt mit 79 Ladepunkten und fairen Preisen, wie es geht.

Mehr als nur ein Auto
Blums Vision: Elektromobilität im Gesamtsystem denken – kombiniert mit Photovoltaik, Stromspeicher und Wärmepumpe. Moderne E-Autos können bereits bidirektional laden: Sie tanken nachts günstigen Strom und speisen tagsüber ins Hausnetz zurück. „Das macht Spaß und verdammt viel Sinn“, so Blum.
Ein letzter Punkt ist ihm besonders wichtig: Energieunabhängigkeit. Während Verbrenner zu 98% auf Energieimporte angewiesen sind, liegt dieser Anteil bei E-Autos nur bei 25%. „Ein Quäntchen mehr Unabhängigkeit wird uns nicht schaden.“
Den kompletten Vortrag mit allen Details zu Förderungen, Recycling und technischen Entwicklungen gibt es im Video:
👉 youtube.com/watch?v=Woi6i4ze-DQ
