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Moosburger Zeitung 04.08.2008

Bis zu 500 Bakterienarten erzeugen Gas

Eine Delegation der Bündnisgrünen informierte sich vor Ort über die Kläranlage

Moosburg. Jeder benützt sie täglich mehrmals über fünf Ecken, keiner kennt ihre Funktionsweise genau: Am Samstagvormittag informierte sich eine Delegation der Bündnisgrünen über die Kläranlage. Mitarbeiter Holger Süß führte Landtagsabgeordneten Dr. Christian Magerl, die Kreis- und Gemeinderätin und Kreisvorsitzende Claudia Bosse, Kreisrat Toni Wollschläger sowie die Stadträte Johannes Becher und Dr. Michael Stanglmaier durch die Anlage am untersten Ende der Neustadt. Stanglmaier war sowohl in seiner Funktion als Umweltreferent wie auch als neues Mitglied des Kläranlagen-GmbH-Aufsichtsrats anwesend.

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Benutztes Klopapier und Fäkalien können 36 Stunden später kein Wässerchen trüben (Fotos: fi)

Die Besucher stehen vor einem hübschen Teich. Er könnte im Garten eines Einfamilienhauses stehen. Seerosen blühen, das Ufer ist teils bekiest, teils adrett zugewachsen, eine Plattform lädt zum Verweilen und Betrachten der Fische ein. Rund 200 Meter von dieser Idylle entfernt öffnet Süß eine Klappe: Man kann diverse Varianten Toilettenpapier mit unterschiedlicher Musterung erkennen. Allen ist gemeinsam, dass sie bereits benutzt wurden. Ein strenger Geruch breitet sich in dem Raum und aus dem Becken im Freien aus. Eine trübe Mischung aus Fäkalien, Schlamm und Sand dümpelt dort vor sich hin. Hier, so Magerl, endete in den sechziger Jahren eine Kläranlage.

Dazwischen liegen die biologische Reinigung und der Absetzbereich. Was dort in den Teich und anschließend in die Isar gelangt, ist Wasser reinster Qualität, wie den Besuchern bestätigt wurde. Die Fische dienen zum „Monitoring“. Fühlen sie sich unwohl, findet man in ihnen Rückstände oder treiben sie gar kopfüber im Wasser, ist ein Fehler passiert. Bisher, so Süß, sei das noch nie eingetreten. Man nehme dennoch täglich Messproben und friere diese für Monate ein, um bei Analysebedarf frühere Messwerte rekonstruieren zu können. Eine Entkeimung mit UV-Licht, wie sie dann betrieben wird, wenn Badeseenqualität herrschen muss, sei in Moosburg nicht notwendig.

Die Kläranlage an sich sei Stand der Technik, wie die Grünen-Politiker feststellten. Man habe alles, was gut und modern sei, der eigentliche Clou der Anlage sei jedoch die Brennstoffzelle. Was den Vertretern der Ökopartei besonders gefiel: Die Pioniereinrichtung erzeugt mehr Strom als die Kläranlage benötigt. Zudem dient die Abwärme, die sonst in die Luft gepustet würde, dazu, den Klärschlamm zu trocknen. Die zähflüssige schwarze Masse wird so leichter und kompakter – für den Transport zur Entsorgung sei das ein wesentlicher ökonomischer wie ökologischer Vorteil, den auch andere Kläranlagenbetreiber nutzen: Sie bringen ihren Klärschlamm zunächst nach Moosburg.

Einige Meter weiter herrscht erneut ein strenger Geruch im Stile angebrannter und dann tagelang stehen gelassener Milch. Die Runde nähert sich dem Faulturm. 400 bis 500 Bakterienarten erzeugen beim Fäulnisprozess Gase, die wiederum Motoren zur Stromproduktion antreiben. Sie werden vor allem mit Molkereiabfällen „gedopt“. Nicht nur die Firma Hofmeister nützt die Möglichkeit, so Süß. Vor ein paar Stunden habe ein Lastwagen aus Coburg Molkeabfälle entladen, letzte Woche habe ein niederländischer Lkw die Fauleinrichtung angesteuert. Dadurch, dass Moosburg die Faulgase verwertet, kann der Nahrungsmittelproduktionsabfall wesentlich kostengünstiger abgeliefert werden als bei Anbietern, die nur die Entsorgung betreiben. -fi-

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Das Klärschlammbecken inspirierte Magerl zu einem Witz